Wie finde ich eine(n) gute(n) Ernährungsberater*in? Mein 5-Punkte-System!

„Ernährungsberater*in“ ist weder ein geschützter Begriff noch staatlich anerkannter Beruf. Die meisten Menschen, die sich aber so nennen, verfügen über eine spezielle Ausbildung. Darunter gibt es zwei Kategorien von Experten: „die richtigen Fachleute“ und Quereinsteiger.

Die richtigen Fachleute sind Menschen, die Ernährungswissenschaften/-medizin oder Ökotrophologie studiert haben oder über eine Ausbildung als Diätassistenz UND über eine Weiterbildung als Ernährungsberater verfügen. Solche Weiterbildungen für Fachleute machen in Deutschland in erster Linie die DGE und die UGB (Vereine für unabhängige Gesundheitsberatung; hier können sich auch Quereinsteiger weiterbilden lassen). Die Quereinsteiger sind Menschen, die sich als Ernährungsberater fortbilden lassen, ohne ein Studium in den oben genannten Fächern gemacht zu haben. Die DGE bildet Quereinsteiger grundsätzlich nicht aus. Meistens verfügen Quereinsteiger über ein Zertifikat in der Ernährungsberatung. Auch ich gehöre dazu, obwohl ich als Biologin sehr nah an den Fachleuten bin was meine Hintergründe angeht.

Was ist aber der Unterschied? Die richtigen Fachleute dürfen neben der klassischen Ernährungsberatung auch Ernährungstherapie machen und Menschen mit ernährungsbedingten Erkrankungen beraten. Das macht es ihnen möglich, in Arztpraxen oder Krankenhäusern angestellt zu sein und mit Krankenkassen zu kooperieren. Quereinsteiger dürfen grundsätzlich nur gesunde Menschen beraten und sind somit nur im Bereich Prävention tätig. Sie dürfen keine Heilversprechen machen! Wenn jemand, der keine fachliche Ausbildung hat (s.o.), euch bei Krankheiten wie z.B. Reizdarm helfen möchte, macht er/sie sich potentiell strafbar.

Punkt 1 ist also Qualifikation. Hat man eine ernährungsbedingte Erkrankung, gehört man in die Hände von speziell ausgebildeten Fachkräften. Wenn es um klassische Ernährungsberatung geht, kann man sich auch an zertifizierte Quereinsteiger wenden!

Punkt 2: Versprechen.

Schaut euch die Webseite/Social Media Kanäle genau an. Was steht dort? Unseriöse Versprechen wie „10 Kilo in einer Woche abnehmen“? Oder Tipps für eine gesunde Ernährung, mit Quellenangaben und Verweis auf die Fachgesellschaften? Eine graue Zone ist Werbung oder direkter Verkauf von Vitaminpillen und ähnlichen Produkten. Hier muss man differenziert betrachten, was und wie beworben/verkauft wird. An sich ist es nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen, aber man muss die Augen offen halten. Wird in allen Beiträgen auf bestimmte NEM, die auch verkauft/beworben werden verwiesen? Oder handelt es um relativ harmlose Kooperationen, mit denen die meisten Tipps und Beiträge gar nichts zu tun haben? Dann ist es wahrscheinlich unbedenklich. Werden überall auf der Webseite bestimmte Produkte beworben, dann stellt sich die Frage, inwiefern dieser Berater wirklich auf Ernährung fokussiert ist. Diätpillen oder gar Mittelchen mit Heilversprechen sind nach meiner Meinung ein No-Go!

Punkt 3: Schwerpunkt.

Nicht jede Ernährungsberatung hat einen Schwerpunkt, aber die meisten sind schon auf eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet. Dann muss man sich fragen: passt der Schwerpunkt der Beratung zu meinem Anliegen? Wenn man bei einer Ernährungsberatung landet, die auf alles mögliche ausgerichtet ist, wie hoch sind die Chancen, dass der Berater sich mit eurem besonderen Anliegen auskennt? Sagen wir mal, ihr möchtet auf vegane Ernährung umsteigen – dann ist es natürlich empfehlenswert, eine vegane Ernährungsberatung aufzusuchen. Habt ihr ein gesundheitliches Problem, dann braucht ihr bei Quereinsteigern nichts zu suchen, aber da sind wir wieder bei Punkt 1 und zusätzlich muss man idealerweise jemanden finden, der sich genau mit eurem Problem auskennt…

Punkt 4: Erfahrung.

Wie lange arbeitet er/sie in diesem Beruf? Wurde er/sie gerade erst zertifiziert oder hat er/sie schon langjährige Erfahrung mit vielen positiven Stimmen aus der Community? Das muss nicht unbedingt heißen, dass ein frischgebackener Ernährungsberater schlechter ist, als ein erfahrener! Aber trotzdem muss man sich überlegen: wie viel Wert ist euch die Erfahrung, ob in der Beratung oder mit einem bestimmten Thema? Das ist auch so eine Sache, die nicht unbedingt mit der Berufserfahrung zu tun hat! Manchmal zählt hier auch die persönlichen Erfahrungen, gerade wenn es um empfindliche Themen wie Schwangerschaft oder Kinderernährung geht oder um spezielle Ernährungsformen wie z.B. bei einer pflanzlichen Ernährung. Will ich z.B. eine Ernährungsberaterin für die Beikost, die selber keine Kinder hat oder eine, die schon 3 Kinder durch diese Zeit begleitet hat? Will ich für meine vegane Umstellung einen Berater, der eine rein vegane Ernährung nicht besonders sinnvoll findet oder jemanden, der sich selbst seit Jahren vegan ernährt und viele Rezepte parat hält?

Punkt 5: Chemie.

Diesen Punkt kann man nicht beeinflussen, aber er ist nun mal wichtig: ist mir die Beraterin oder der Berater unsympathisch, werde ich bei ihr/ihm keine Beratung buchen – so einfach ist das manchmal. Auch die kompetenteste Beratung bringt nicht viel, wenn man der Beraterin/dem Berater nicht vertrauen kann. Denn eine Ernährungsberatung ist auch ein bisschen psychologische Beratung.

Das ist also mein 5-Punkte-System! Was denkt ihr darüber? Fällt euch noch etwas ein, was wichtig sein könnte?

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