Vegane Kinderernährung: ja oder nein?

Vegane Kinderernährung ist ziemlich umstritten. Die Meinungen dazu reichen von „vegane Kinderernährung ist extrem gefährlich“ bis „vegane Ernährung ist gar kein Problem und immer möglich“. Wo ist meine Meinung auf diesem Spektrum?

Einerseits bin ich auf der Seite von vielen Fachgesellschaften, die besagen, dass eine GUT GEPLANTE vegane Kinderernährung möglich ist. Voraussetzungen dafür sind Supplementierung, regelmäßige Bluttests auf kritische Nährstoffe und eine Ernährungsberatung oder selbstständige Auseinandersetzung mit gesunder Ernährung. Andererseits kann ich total verstehen, warum viele Menschen, auch wenn sie sich selbst vegan ernähren, verunsichert sind und die Kinder nicht vegan ernähren möchten. Ich verstehe auch die kritische Position der DGE zu diesem Thema, denn das Risiko für bestimmte Nährstoffmängel im Wachstum nun mal größer ist.

Zu veganer Kinderernährung existiert momentan eine große aktuelle Studie (die VeChi-Studie), und die Ergebnisse sind beruhigend: vegane Kinder entwickeln sich ganz normal. Sie „kennen“ auch das häufige Problem von Omnivoren Kindern – nämlich, das Übergewicht – nicht. Allerdings sind vegane Kinder oft etwas kleiner und sind nicht immer optimal mit allen Nährstoffen versorgt (Beispiel Kalzium). Man muss also bei Kindern schon sehr auf die Ernährung achten. Auch die Kinder, die nicht vegan ernährt werden, können (z.B. durch einseitige Ernährung) leichte Mängel bekommen (besonders häufig – Eisenmangel). Wenn man ganze Lebensmittelgruppen vom Speiseplan streicht, wie es bei veganer Ernährung nun mal ist, muss man umso mehr darauf achten. Das sollte den Eltern auf jeden Fall bewusst sein. Auch was Supplementierung angeht – man muss auf alle Fälle darauf achten, dass man nicht überdosiert oder nicht zu wenig gibt.

Ich muss als Ernährungsberaterin darauf hinweisen, dass das Risiko für bestimmte Nährstoffmängel bei veganer Ernährung erhöht ist und dass es keine Langzeitstudien zu diesem Thema existieren. Gerade in den ersten Jahren ist eine gute Nährstoffversorgung extrem wichtig – das gilt nicht nur für vegane Kinder! Vitamin A und D -Mangel kann beispielsweise eine Auswirkung für die Reifung der Lungen haben, zusätzlicher Zinkmangel – auf die Entwicklung des Immunsystems. Solche Mängel können später nicht mehr ausgeglichen werden!

Ich bin bereit, vegane Familien auf ihrem Weg zu unterstützen! Denn die Entscheidung, wie sie ihre Kinder ernähren wollen, liegt nicht bei mir und ich gebe da keine Empfehlungen – nur die, die eine schon gemachte Entscheidung in der Praxis unterstützen.

2 Gedanken zu „Vegane Kinderernährung: ja oder nein?“

  1. Wie steht es mit Kindern <1 Jahr, wo ja meist noch kein Blutbild gemacht wird. Sollte man da einfach „auf gut Glück“ alles Kritische supplementieren oder was rätst du da?

    Antworten
    • Liebe Anne,

      im ersten Lebensjahr ist es eigentlich noch relativ einfach, da die Babys entweder gestillt werden oder Pre-Nahrung bekommen: so werden sie mit fast allen nötigen Nährstoffen ausreichend versorgt! Voraussetzung dafür ist natürlich – für gestillte Babys – dass die Mutter gut versorgt ist. Supplementieren muss man Vitamin D (gilt für alle Babys) sowie Vitamin B12, DHA und Jod (die letzten beiden erst ab Beikost und bei gestillten Babys, wenn die Breie selbst gekocht werden – bei den Gläschen ist Jod oft schon drin; Pre-Nahrung sollte auch alle diese Nährstoffe enthalten). Eisen sollte man nur bei einem festgestellten Mangel supplementieren und es ist meistens gar nicht nötig, wenn man ab Beginn der Beikost eisenreiche Lebensmittel langsam einführt (Hafer- und Hirseflocken z.B.).

      LG,
      Anastasia

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Weitere Blogposts

Warum Ernährungsberatung?

VIm letzten Beitrag ging es darüber, wie man eine(n) gute(n) Ernährungsberater(in) finden kann. Jetzt möchte ich auf die Frage eingehen,

mehr!