Warum eine persönliche Ernährungsberatung wichtig ist

Nahrung kann Medizin sein. Eine gesunde Ernährung kann Krankheiten vorbeugen oder sogar heilen! Doch mit Heilung der Krankheiten mittels Ernährung beschäftigt sich ausschließlich Ernährungstherapie. Eine Ernährungsberatung unterscheidet sich von der Ernährungstherapie, indem es auf gesunde Menschen ausgerichtet ist, die ihre Ernährung optimieren möchten. Eine Ernährungsberatung ist also immer präventiv und nicht heilend! Warum sollte man sich dennoch für eine individuelle Beratung entscheiden? Reicht es nicht, wenn man einfach den allgemeinen Gesundheitstipps folgt? Ja und nein. Es ist sicherlich nicht verkehrt, den 10 Regeln der DGE zu befolgen. Was aber, wenn man seine Ernährung umstellen möchte, z.B. auf vegan oder vegetarisch? Wenn man eine Schwangerschaft plant? Wenn man sportlich aktiv ist? Da kann es sinnvoll sein, eine Ernährungsberatung aufzusuchen.

Außerdem ist es in der Ernährungsforschung seit einigen Jahren bekannt, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Reaktionen auf die gleichen Lebensmittel haben können – das hat nicht immer mit Allergien oder Unverträglichkeiten zu tun. Seit etwa 5 Jahren wird es von Wissenschaftlern empfohlen, persönliche Ernährungsempfehlungen anzusprechen, da es in einer großen Studie gezeigt wurde (1), dass Menschen sehr unterschiedlich auf bestimmte Lebensmittel reagieren – gemessen anhand vom Blutzuckeranstieg nach dem Essen. Da Blutzuckeranstieg von Insulin kontrolliert wird, deutet es auf unterschiedliche hormonelle Auswirkungen von bestimmten Lebensmitteln bei Menschen. Die Studie lieferte zum Teil wirklich schockierende Ergebnisse: manche Teilnehmer hatten kaum Blutzuckeranstieg, nachdem sie zuckerreiche Kekse gegessen haben, dafür aber starke Reaktionen auf Bananen oder Brot! Das heißt, dass Kohlenhydratstoffwechsel erhebliche persönliche Unterschiede aufweist. Diese Unterschiede, so Wissenschaftler, haben viel mit der Zusammensetzung der Darmflora zu tun. Je nachdem, welche Darmbakterien man also hat, reagiert man unterschiedlich auf bestimmte Produkte. Das stimmt aber nicht nur für zucker- oder kohlenhydratreiche Lebensmittel: auch beim Fettstoffwechsel wurden erhebliche Unterschiede gefunden. Bei manchen Menschen hilft Fett in der Nahrung den Blutzucker zu kontrollieren, bei manchen nicht. Verzehr von Ballaststoffen hingegen hatte eine positive Wirkung auf Blutzuckerkontrolle, was wieder auf den Einfluss der Darmflora auf diesen Prozess hindeutet. Basierend auf diesen Erkenntnissen haben Wissenschaftler mithilfe eines Computerprogramms individuelle Ernährungspläne für die Studienteilnehmer erstellt – und diese hatten sehr großen Erfolg, was die Blutzuckerkontrolle angeht.

Diese Studie hat uns eine sehr wichtige Sache gezeigt: es gibt keine „guten“ oder „schlechten“ Lebensmittel (zumindest was Blutzucker- und Insulinantwort) angeht. Das wird auch in unseren Essensgewohnheiten widerspiegelt: manche Menschen vertragen Kohlenhydrate sehr gut, manche kommen eher mit Low-Card-Diäten zurecht. Alle diese individuellen Unterschiede sind in allgemeinen Empfehlungen natürlich nicht berücksichtigt. Da kann es deshalb sinnvoll sein, wenn man bestimmte Ziele erreichen möchte, auf Ernährungsberatung zurückzugreifen. Im Laufe der Beratung kann man Essensprotokolle erheben und bestimmen, wo das Problem sein könnte. Anhand von Protokollen kann man auch relativ schnell einschätzen, ob eventuelle Vitamin- und Mineraldefizite bestehen können. Ein neutraler, professioneller Blick auf die eigene Essenssituation kann außerdem sehr motivierend wirken! Denn manchmal kann man ja seine „Ernährungsleistung“ auch etwas überschätzen 😉

  1. Zeevi et al. Personalized nutrition by prediction of glycemic responses. In: Cell, 2015

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