Kann man mit Vitamin D einem schweren Covid-19-Verlauf vorbeugen?

Eine ausgestreckte Hand mit Vitamin D Kapseln

Es ist bekannt, dass ein Vitamin D-Mangel das Risiko für Atemwegsinfekte und Lungenentzündung erhöhen kann, und Vitamin D-Supplementierung wirkt sich präventiv in Bezug auf Atemwegsinfekte aus (1). Vitamin D hat außerdem eine antiinflammatorische Wirkung und kann die Expression vieler Zytokine (Proteine, die eine wichtige Rolle bei Entzündungsprozessen und immunologischen Reaktionen spielen) herunterregulieren. In Studien konnte man auch zeigen, dass die Anzahl der Treg-Lymphozyten zu niedrig in Covid-19-Patienten mit schwerem Verlauf war: das sind Zellen, die eine zu starke Immunantwort regulieren (2). Auch die Menge der Treg-Zellen im Blut kann mit Vitamin D-Supplementierung erhöht werden! (2,4). Vitamin D-Mangel ist außerdem typisch für Gruppen, die ohnehin ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben: stark übergewichtige Menschen, Senioren, Menschen mit dunkler Haut (2). Es wurde auch eine negative Korrelation zwischen Vitamin-D-Spiegel und Covid-19-Fälle in Europa beschrieben (3). Es kann also sein, dass zumindest Menschen mit Vitamin-D-Mangel von einer Supplementierung definitiv profitieren könnten!

Was versteht man unter einem Vitamin D-Mangel? Vitamin D-Mangel besteht bei einem <20ng/ml (oder 50nmol/l) Blutserumspiegel. Menschen mit einem Vitamin-D-Mangel können u.a. an einer schlechten Kalziumaufnahme leiden, haben ein erhöhtes Fraktur- und Osteoporoserisiko. Werte im Bereich von 20-30ng/ml (50-75nmol/l) deuten auf eine Unterversorgung hin. Das Ziel sollte also sein, den Wert mindestens oberhalb von 30ng/ml zu halten. Zu hohe Vitamin D-Werte können zu Hyperkalzämie, Verkalkung der Arterien und Nierenversagen führen, deswegen sollte man nie auf Dauer hohe Dosen Vitamin D supplementieren!

Die Evidenz spricht insgesamt schon mal dafür, dass Vitamin D-Supplemente bei Menschen mit Covid-19 und Menschen mit einem erhöhten Risiko für Covid-19 sinnvoll sein könnten. Doch auch wenn die Idee logisch scheint, ist es bei weitem noch nicht klar, ob es wirklich was bringt: dazu gibt es noch schlicht keine Daten. Auch in Bezug auf andere Krankheiten wie Influenza oder Lungenentzündung zeigen klinische Studien keine so klare Datenlage, in manchen wurde kein Effekt gefunden, in manchen zeigte sich ein Effekt bei niedrigem Vitamin D-Spiegel und Supplementierung (4).

Nimmt ihr gerade Vitamin D?

Quellen:

  1. Martineau et al. Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data. BMJ 2017;356:i6583 | doi: 10.1136/bmj.i6583
  2. Weir et al. Does vitamin D deficiency increase the severity of COVID-19? Clinical Medicine 2020 Vol 20, No 4: e107–8. 10.7861/clinmed.2020-0301
  3. Ilse et al. The role of vitamin D in the prevention of coronavirus disease 2019 infection and mortality. Aging Clinical and Experimental Research 2020, doi.org/10.1007/s40520-020-01570-8
  4. Grant et al. Evidence that Vitamin D Supplementation Could Reduce Risk of Influenza and COVID-19 Infections and Deaths. Nutrients 2020, 12, 988; doi:10.3390/nu12040988

Schreibe einen Kommentar

Weitere Blogposts

Frau beißt in eine Karotte und lacht

Warum Du KEINE Darmkur brauchst

Das Thema Darm scheint gerade echt zum Trend geworden zu sein. Menschen lassen sich zu Darmberatern ausbilden, Fermentieren ist für viele zum Hobby geworden (was übrigens cool ist) und ja,

mehr!