Detox: ist da was dran?

Disclaimer: ein Teil von dem folgenden Text ist bereits in einem Artikel erschienen: dort habe ich meine „Expertenmeinung“ zum Thema Detox gegeben. Dieser Teil, der hier veröffentlicht wird, stammt komplett aus meinen Aussagen!

Basentees, Detox-Smoothies, Sellerie-Saft, Darmkuren – das soll uns alles helfen, „wieder gesund“ zu werden. Denn die Schlacken, die im Darm abgelagert werden, machen uns krank, genau so wie Lebensmittel, die zur Übersäuerung unseres Körpers führen! Klingt logisch? Ist es aber überhaupt nicht. Denn es gibt keinerlei wissenschaftliche Beweise dafür, dass Schlacken oder sog. latente Übersäuerung (nicht vergleichen mit Azidose!) überhaupt existieren! Trotzdem boomt das Geschäft mit Detox. Mich als Wissenschaftlerin macht es richtig sauer (pun intended)!

Die Idee, dass man den Körper von „giftigen“ Substanzen oder „Schlacken“ befreien kann, ist nicht neu. Schon vor Tausenden Jahren wurden „Verunreinigungen“ Schuld an allen möglichen Krankheiten gegeben. Ja, im Körper können durchaus Gifte angereichert werden, wie z.B. Blei über das Wasser oder Pestizide über Lebensmittel. Diese kann man aber nicht mit Detox-Smoothies loswerden! Schlacken dagegen gibt es schlichtweg nicht. Im Darm werden keine Ablagerungen gespeichert. Und generell kann sich der Körper selbst „entgiften“: dafür sorgen täglich unsere Nieren und Leber. Nur bei sehr schwerwiegenden Erkrankungen kann es dazu kommen, dass dieses System zusammenbricht. Genauso ist es mit dem Säure-Basen-Haushalt: der pH-Wert der Blut bleibt eigentlich immer konstant – dafür sorgen spezielle Puffersysteme. Es gibt also keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass man den Körper „übersäuern“ kann. Fasten im Gegenteil kann durchaus gesund sein: es regt den Selbstreinigungsprozess in den Körperzellen an. So kann der Körper defekte Moleküle entsorgen.

Viele Detox-Pläne, die im Internet kostenlos zu finden sind, sind eigentlich relativ harmlos: sie basieren oft auf Säften und Smoothies, die man 2-5 Tage zu sich nehmen muss und selber zubereiten kann. Dazu kommen noch ganze Wochenpläne mit gesunden, pflanzenbasierten Mahlzeiten. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, auch wenn die wissenschaftlichen Grundlagen fehlen, wie z.B. bei „Entsäuerungskuren“. So wird „Entsäuerung“ in einem Artikel auf brigitte.de beschrieben: „Wenn du regelmäßig Fleisch und Brot isst, Kaffee und Alkohol trinkst und gern Süßes naschst, ist dein Körper wahrscheinlich übersäuert. Das macht müde, die Verdauung träge, kann zu Sodbrennen, Hautproblemen oder Kopfschmerzen führen. Höchste Zeit, deinen Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen und auf Entsäuerung zu schalten!“

Solche Aussagen sind leider überhaupt nicht wissenschaftlich korrekt. Eine wahre Azidose (Übersäuerung) ist ein lebensgefährlicher Zustand, der nicht durch Diät beeinflusst werden kann. Es gibt keinerlei Belege dafür, dass die oben genannten Lebensmittel zur „Übersäuerung“ führen, auch wenn Alkohol und Zucker im Übermaß sicherlich ungesund sind. Online kann man auch Säfte und Smoothies für solche „Detox-Tage“ bestellen. Ungesund oder gefährlich sind sie nicht, allerdings sehr teuer: eine Kur für 3 Tage kostet etwa 200 Euro. Schwierig wird es, wenn es um Nahrungsergänzungsmittel geht, die als „Detox-Programme“ angeboten werden. Nahrungsergänzungsmittel unterliegen keiner strengen Kontrolle wie z.B. Medikamente. Wenn man sie über längere Zeit nimmt, ohne es mit einem Arzt zu besprechen, kann es entweder zu Überdosierungen kommen oder, wenn man länger aufs Essen verzichtet, auch zu Mangelerscheinungen oder anderen gesundheitlichen Problemen.

Eine Detox-Kur kann auch durchaus einen Plazebo-Effekt haben: man denkt, dass man etwas Gutes für sich tut und so fühlt man sich gleich besser. Außerdem schaden ein paar Tage Saft-Kur nicht, wenn man nur bei diesen paar Tagen bleibt und besonders wenn man sich sonst ungesund ernährt. Es ist auch so, dass solche Kuren meistens zu einem schnellen Gewichtsverlust führen, weil man sehr wenig Energie zu sich nimmt. Allerdings handelt es sich meistens um Wasser- oder Muskelmasseverlust und nicht um Fett. Eine sehr strenge Kalorienrestriktion begünstigt zudem den Jo-Jo Effekt.

Der Körper kann sich ganz prima selbst „entgiften“: dafür haben wir Nieren und Leber. Die Leber ist unser Entgiftungsorgan Nummer eins: hier findet Entgiftung von Alkohol, Medikamenten und anderen körperfremden Stoffen sowie potentiell schädlichen Stoffwechselprodukten statt. Die Nieren scheiden wasserlösliche Giftstoffe aus und filtrieren das Blut. Nur bei sehr schwerwiegenden Erkrankungen kann es dazu kommen, dass dieses System zusammenbricht. Genauso ist es mit dem Säure-Basen-Haushalt: der pH-Wert der Blut bleibt eigentlich immer konstant – dafür sorgen spezielle Puffersysteme.

Wer seinem Körper etwas Gutes tun möchte, sollte sich grundsätzlich gesund ernähren: viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte, genug Wasser trinken, weniger Fast-Food und Fertigprodukte. Es gibt auch wissenschaftliche Belege dafür, dass gelegentliches Fasten gesund ist. Fasten regt den Selbstreinigungsprozess in den Körperzellen, sog. Autophagie. So kann der Körper z.B. defekte Proteine auf Zellebene effektiv entsorgen. Entscheidend ist aber eine vollwertige, ausgewogene, gesunde Ernährung, die alltäglich praktiziert werden sollte – ohne sie bringen nämlich Fastenkuren gar nichts. Fasten kann also als Ergänzung zu einer allgemein gesunden Ernährungsweise dienen, aber eben nur als Ergänzung – das ist keine magische Lösung für alle (ob Gewichts- oder gesundheitliche) Probleme.

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